Interview mit Frau Sabine Hübner-Henninger, Leiterin des Personalmarketings bei der Hochtief AG, Essen

Interview mit Frau Sabine Hübner-Henninger, Leiterin des Personalmarketings bei der Hochtief AG, Essen

Frau Hübner-Henninger, könnten Sie sich unseren Lesern kurz vorstellen?

Mein Name ist Sabine Hübner-Henninger. Seit 1991 arbeite ich im Personalbereich bei Hochtief. Ich habe BWL in Essen studiert. Dabei wurde mir ziemlich früh klar, dass ich nach dem Studium im Personalwesen arbeiten möchte. Dementsprechend habe ich meine Bewerbungen ausgerichtet. Nun bin ich seit einigen Jahren Leiterin des Bereichs Personalmarketing und Bewerbermanagement.

Welche Schwierigkeiten hatten Sie damals während Ihrer Bewerbungsphase?

Jedes Unternehmen hat eigene Schwerpunkte, die beim Auswahlverfahren berücksichtigt werden. Beispielsweise kann es wichtig sein, mit welchem Vertiefungsgebiet der Abschluss gemacht wurde. Klar, dass man dann mal mit einer Absage rechnen muss. Ich hatte allerdings Glück und habe sofort nach dem Studium eine Anstellung gefunden. Mein Problem war anderer Natur: Ich musste mich zwischen zwei unterschiedlichen Unternehmen entscheiden. Meine Entscheidung fiel zugunsten HOCHTIEF – was aus heutiger Sicht genau richtig war.

Was genau ist Personalmarketing?

Eine wesentliche Aufgabe ist es, langfristig sicherzustellen, dass das Unternehmen geeignete Bewerber findet. Das bedeutet: die Bekanntheit und Attraktivität des Unternehmens als Arbeitgeber mit einem positiven Image zu fördern. Wir werben zum Beispiel an Schulen, Hochschulen und auf Jobmessen für HOCHTIEF. Dabei ist uns wichtig, dass wir ein reales Bild von der Arbeit bei HOCHTIEF widerspiegeln. Es wäre unklug, mit Eigenschaften zu werben, die nicht der Realität entsprechen. Das spricht sich auf alle Fälle an Hochschulen schnell herum.

Können Sie ein paar Zahlen zu den Bewerbern nennen?

Ja. Wir erhalten jährlich über 35 000 Bewerbungen. 95% der Hochschulabsolventen reichen ihre Dokumente bereits auf elektronischem Wege bei uns ein. Ich empfehle allen Bewerbern, unser Online-Portal zu benutzen. Es ist einfach leichter für Sie als Bewerber – und Sie bekommen schneller Rückmeldung.

Worauf achten Sie bei Bewerbungen besonders?

Auch wenn es sich merkwürdig anhört: Als erstes erwarten wir von Hochschulabsolventen eine fehlerfreie Unterlage. Gute Noten und ein nicht allzu langes Studium sprechen für einen Bewerber. Gleiches gilt für Praktika oder Auslandssemester. Nicht zuletzt zeichnet sich ein Student durch außeruniversitäres Engagement aus. Das können beispielsweise soziale Projekte sein. Die Fähigkeiten, die dort erlernt werden wie z.B. Teamarbeit oder unter Zeitdruck zu arbeiten, sind hilfreich für den Berufseinstieg.

Wie wichtig sind z.B die Hobbys auf dem Lebenslauf?

Sie sind insoweit wichtig, dass sie der Realität entsprechen müssen. Wenn ein Bewerber Lesen als Hobby angibt, aber im Vorstellungsgespräch nicht sagen kann, was er gerade liest, dann wirkt er unglaubwürdig.

Wie wichtig sind Fotos auf dem Lebenslauf?

Durch das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz dürfen Firmen das Lichtbild nicht mehr als Kriterium bei der Auswertung heranziehen. Allerdings halten es manche Unternehmen nach wie vor für wichtig. Dabei sollte das Erscheinungsbild auf dem Foto zu der Arbeitsstelle passen: Bewirbt sich jemand als Controller oder als Projektleiter, wäre ein Anzug auf dem Foto schon angemessen.

Wird auf Lebensläufen auch ein eingescanntes Foto akzeptiert?

Heutzutage werden die meisten Bewerbungen online geschrieben. Für diesen Fall sollte das Foto in guter Qualität eingescannt werden. Werden aber die Bewerbungsunterlagen per Post verschickt, ist es empfehlenswert, das Foto als Original dem Lebenslauf hinzuzufügen.

Wie wichtig sind Softskills bei der Einstellung?

Softskills sind sehr wichtig, allerdings aus den Unterlagen nicht unmittelbar zu erkennen. Wenn jemand im Lebenslauf schreibt, er war Pfadfinder, heißt das noch lange nicht, dass er wirklich teamfähig ist. In Einstellungsgesprächen und im Assessment-Center kann dies eher festgestellt werden. Kommunikations- und Teamfähigkeit sowie eine ausgeprägte Dienstleistungsorientierung spielen heute in vielen Positionen eine große Rolle. Jeder sollte wissen, was er oder sie gut kann und an welchen Punkten noch zu arbeiten ist.

Wie können aus Ihrer Sicht die Hochschulen dazu beitragen, die Softskills auszubilden?

Es darf nicht sein, dass einige Studierende während ihrer gesamten Studienzeit nur einen Vortrag halten oder nie als Moderator eine Sitzung leiten. Ein Zusammenspiel von Industrie und Hochschule könnte da helfen. Aus diesem Grund arbeiten wir mit ausgewählten Lehrstühlen zusammen und bieten diesen Präsentations- und Moderationstraining an.

Was halten Sie vom Engagement von Studierenden bei der Organisation einer Jobmesse wie der real-IT-y?

Das finde ich prima. Allerdings sollten Studierende derartige Nebentätigkeiten nicht nur für den Lebenslauf absolvieren, sondern sich auch tatsächlich für deren Erfolg einsetzen.

Frau Hübner-Henninger, wir danken Ihnen für das Gespräch.