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Interview mit neuen Kanzler der TU Dortmund
Die Technische Universität Dortmund hat einen neuen Kanzler: Mit Albrecht Ehlers steht zukünftig ein Kanzler an der Spitze der Universitätsverwaltung, der längjährige Erfahrung im Topmanagement großer internationaler Unternehmen mitbringt.
Real-IT-y: „Herr Ehlers, Sie sind der neue Kanzler der TU Dortmund. Wie kam es dazu? Könnten Sie uns kurz Ihren Berufsweg beschreiben, vom Einstieg nach dem Studium bis heute? Als Jurist direkt nach dem Studium in die Wirtschaft ist doch eher ungewöhnlich, oder?“
Ehlers: „Ursprünglich wollte ich Rechtsanwalt werden und habe dementsprechend Jura studiert. Ich habe gute Examina abgelegt und habe dann bei einem mittelständischen börsennotierten Unternehmen, der Glunz AG, als Vorstandsassistent angefangen. Die Glunz AG war damals Europas größter Hersteller von Holzwerkstoffen. Diese Position hatte den Vorteil, dass man eigentlich alle Bereiche des Unternehmens von innen kennenlernen konnte und hautnah mitbekam, wie auf Vorstands-etagen gearbeitet wird. Man wird in kleineren und mittelständischen Unternehmen normalerweise in vielen verschiedenen Positionen eingesetzt und lernt die Gesamtzusammenhänge kennen. Man ist nicht, wie in einem Großkonzern, ‚einer von vielen‘ Neuen, sondern man ist ‚der‘ Neue, um den sich viele kümmern.“
Wie ging es dann weiter?
Über viele Stationen, u. a. war ich einige Zeit in den USA, wurde ich Chef der Rechtsabteilung, arbeitete im Finanzbereich, in der Abteilung Mergers and Acquisitions, und wurde Personalchef. Schließlich wurde ich in den Vorstand und dann zum stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden berufen. Während dieser Zeit gab es viele Umstrukturierungen, Werksschließungen, Firmenaufkäufe, etc. Es war notwendig, sich ständig auf neue Gegebenheiten einzustellen. Schließlich wurde die Glunz AG vom portugiesischen Sonae-Konzern gekauft und ich sollte nach Portugal in die Konzern-Holding wechseln. Zu diesem Zeitpunkt wurde ich angesprochen, ob ich zur Hochtief AG nach Essen wechseln wollte, was ich dann im Jahre 2000 auch tat.
Was haben Sie bei Hochtief gemacht und wie kamen Sie an die TU Dortmund?
Bei Hochtief wurde ich Personalchef, Leiter der Unternehmenszentrale und Arbeitsdirektor des Konzerns. Im Vorstand habe ich zusätzlich die Verantwortung für den Unternehmensbereich Dienstleistungen – vom Gebäude- und Sicherheitsmanagement bis zu Umwelt- und Energiefragen – sowie das Versicherungsgeschäft gehabt. Im Jahr 2009, nach ungefähr 23-jähriger Führungsverantwortung in Industrieunternehmen, habe ich mich entschlossen, noch einmal etwas ganz anderes zu machen und mich verstärkt meinen sonstigen Interessen zu widmen. Hierzu gehört die Wahrnehmung meiner Aufsichtsratsmandate (u.a. auch bei der Glunz AG, wo meine berufliche Laufbahn begann). Als ich aber nach einigen Monaten „Freiheit“ gefragt wurde, ob ich Interesse an einer Tätigkeit an der TU Dortmund hätte, nutzte ich die Chance, auf wirtschaftlich unabhängiger Basis das zu tun, was ich gerne tun wollte, zumal ich schon immer eine große Affinität zur Hochschule hatte.
Einige Unternehmen nennen sehr strenge Bewerbungskriterien. Man soll hervorragende Noten, detailliertes Spezialwissen und Berufserfahrung mitbringen, das alles möglichst in
der Regelstudienzeit. Was ist Ihre Meinung dazu?
Gerade in der heutigen Zeit sehe ich, dass es in vielen Fällen schwer ist, ein Bachelor-Master-Studium in der Regelstudienzeit abzuschließen. Grundsätzlich bin ich der Meinung, dass man in Studium und Beruf über den Tellerrand schauen sollte, denn genau das schafft die notwendige Differenzierung und Breite. Dafür würde ich dann gegebenenfalls auch einmal eine Verlängerung des Studiums in Kauf nehmen.
Die real-IT-y wäre ohne die freiwillige Hilfe von Studenten nicht machbar. Finden Sie das Engagement sinnvoll?
Die real-IT-y ist eine klasse Initiative. Überhaupt finde ich, dass Studierende viel mehr in die universitären Strukturen eingebunden werden sollten. Beispielsweise könnte ich mir gut vorstellen, dass Informatikstudenten dazu beitragen, Strukturen der Universität zu entwickeln. Ich finde allgemein, dass die Universitäten mehr vom Know-how im eigenen Haus, also auch vom Know-how der Fakultäten, profitieren sollten, denn die Fakultäten bringen ihr Wissen doch auch extern an. Es ist auf den ersten Blick schwer, extern etwas zu verkaufen, wenn es intern nicht auch entsprechend genutzt wird.
Sie haben sich ja schon lange vor Ihrer Wahl zum Kanzler der TU Dortmund für und mit Universitäten engagiert.
Ja, ich bin Mitglied im Vorstand und im Verwaltungsrat der Freunde der TU Berlin, war in Gremien der ESMT in Berlin, im Beirat des OFW (Organisationsforum Wirtschaftkongress), der studentischen Initiative, die alle zwei Jahre den hochrangigen Deutschen Wirtschaftskongress an der Uni Köln organisiert, ich habe immer wieder Vorlesungen gehalten und an der Konzeption von Studieninhalten mitgewirkt. Darüber hinaus bin ich Mitglied im Kuratorium des Stifterverbands für die Deutsche Wissenschaft, usw.
Können Sie beschreiben, welche persönlichen Eigenschaften für eine Karriere in der freien Wirtschaft notwendig sind?
Wie bereits erwähnt, finde ich es wichtig, neugierig zu sein, also jederzeit über den Tellerrand zu schauen, nicht nur im Studium, auch im Beruf. Außerdem ist es wichtig, die Strukturen eines Unternehmens zu überblicken und die einzelnen ‚Zahnräder‘ kennen- und einschätzen zu lernen. Reine Fachkenntnisse reichen selten; z. B. muss ein Ingenieur auch über die Finanzen seines Projekts Bescheid wissen und Kenntnisse in der Menschenführung haben. Man muss Initiative zeigen, unternehmerisch denken und mehr machen, als gefordert wird.
Herr Ehlers, vielen Dank für das Gespräch.

